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Kommentar

Autor : Foren-Admin   Thema : Therapieformen   Newsquellen : Journal Med vom 25.10.2005
Beitrag Verfasst am:25 Okt 2004 14:24

Dranginkontinenz – tabuisiert und verschwiegen


Weltweit leiden über 200 Millionen Menschen an Harninkontinenz – mit steigender Tendenz. Da die Lebenserwartung in den Industrienationen stetig ansteigt, nimmt auch die Prävalenz in der Bevölkerung drastisch zu. Trotz dieser Situation wird die Erkrankung noch immer weitgehend tabuisiert. So sprechen nur circa 25 – 30% der Patienten mit ihrem Arzt über ihr Problem – bemängelte Prof. Dr. med. Heinz Kölbl, Klinik und Poliklinik für Geburtshilfe und Frauenkrankheiten am Universitätsklinikum Mainz, bei einer von UCB Pharma gesponserten Veranstaltung anlässlich der Jahrestagung der International Continence Society (ICS) Ende August 2004 in Paris.

Harninkontinenz – die häufigste „Alterserkrankung“ überhaupt

So ergab eine Studie von Milsom et al., in der 16.776 Frauen und Männer in Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien, Schweden und England ab 40 Jahre telefonisch befragt wurden, dass 16,6% aller Befragten Symptome einer Harninkontinenz aufwiesen. Bei 79% der Befragten lagen bereits seit einem Jahr Symptome vor, 49% gaben an, entsprechende Symptome bereits seit über 3 Jahren zu haben. Trotz ihrer Be-schwerden sprachen jedoch nur 60% der Patienten mit ihrem Arzt, 40% verschwiegen ihr Leiden schamvoll.

Dass Harninkontinenz zu einer drastischen Einschränkung der Lebensqualität führt, zeigt die NOBEL-Studie, die Stewart et al. im Rahmen des National Overactive Bladder Evaluation Programms in den USA bei 5.204 Männern und Frauen über 18 Jahre per Telefoninterview durchführten. Die Prävalenz von Harninkontinenz war bei Frauen und Männern annähernd gleich (16,9% bei Frauen und 16% bei Männern). Alle Patienten gaben an, dass ihre Lebensqualität und ihr täglicher Lebensablauf durch die Erkrankung erheblich gestört waren. Die Erkrankung beeinflusste maßgeblich wichtige soziale Funktionen wie Selbstvertrauen, Partnerschaften, Arbeit, körperliche Aktivitäten und Sexualleben. Daraus resultierten häufig auch Depressionen, eine Isolation der Betroffenen und ein Rückzug aus dem sozialen Miteinander.

Auch nicht zu vernachlässigen ist – nach den Ausführungen von Kölbl – die sozioöko-nomische Komponente der Erkrankung. Hu et al. schätzen die gesamten durch Harninkontinenz verursachten (direkten und indirekten) Kosten in den USA im Jahr 2000 auf US $ 12,02 Mrd.. Für Deutschland beträgt der finanzielle Gesamtaufwand für die Erkrankung € 6 Mrd., allein für Inkontinenzhilfen werden Kosten in Höhe von € 1 Mrd. veranschlagt ( Füsgen I., Kostenproblem Harninkontinenz, Journal für Urologie und Urogynäkologie, 1998;5 (1): 7-12).

Diese Kosten sind – so Kölbl abschließend – vergleichbar mit den Kosten, die eine Osteoporose oder gynäkologische und Brustkrebserkrankungen verursachen und stellen somit einen erheblichen Kostenfaktor für das Gesundheitswesen dar.

Herkömmliche Therapie effektiv, aber mit erheblichen Nebenwirkungen behaftet

Therapie der ersten Wahl bei Dranginkontinenz ist der Einsatz von Anticholinergika – allen voran Oxybutynin – erklärte Prof. Dr. med. Linda Cardozo, Guy's, King's & St. Thomas' School of Medicine, London. Oxybutynin wird bei der Dranginkontinenz nunmehr bereits seit über 30 Jahren erfolgreich eingesetzt und gilt hier als eine der wirk-samsten Substanzen.

Oxybutynin hat eine erschlaffende Wirkung auf die glatte Muskulatur der Harnblase. Dadurch wird der erhöhte Spannungszustand der Blasenmuskulatur vermindert und damit eine größere Blasenkapazität erreicht. Für Patienten mit Dranginkontinenz oder Mischinkontinenz bewirkt die erhöhte Blasenkapazität eine Verminderung der Miktionsfrequenz. Durch Oxybutynin werden zudem Pollakisurie und Nykturie verbessert. Besonders diese Wirkungen können die Lebensqualität der Betroffenen deutlich steigern, weil die Zeit zwischen den Toilettengängen ansteigt.

Allerdings ist der Einsatz dieser Substanz in der oralen Verabreichung, gerade bei älte-ren Patienten – so Cardozo – limitiert durch nicht unerhebliche Nebenwirkungen - wie zum Beispiel Mundtrockenheit und Obstipation. Auch eine ZNS-Beteiligung ist nicht selten: So wird unter Oxybutynin immer wieder über Benommenheit und Schwindelgefühle berichtet.

Eine echte Innovation in der Therapie der Dranginkontinenz ist die Anwendung von Oxybutynin als transdermales System, das nur zweimal wöchentlich appliziert wird – so Prof. Dr. med. David Staskin vom New York-Presbyterian Hospital, der in den USA bereits umfassende Therapieerfahrungen sammeln konnte. Neben der bequemen An-wendung bietet diese innovative Therapiesystem bei vergleichbarer Wirksamkeit auch eine deutlich verbesserte Verträglichkeit gegenüber der oralen Medikation der Dranginkontinenz. Mit dem transdermalen Therapiesystem werden nicht nur konstantere Wirkspiegel erreicht, sondern auch eine deutlich geringere Substanzmenge als bei der oralen Verabreichung benötigt.

In 2 randomisierten, doppelblinden und Plazebo-kontrollierten Phase III-Studien wurde die Wirksamkeit und Verträglichkeit des transdermalen Systems geprüft. Die Daten zeigen, dass das TDS eine vergleichbar gute Wirksamkeit wie die orale Standard-Medikation in der Therapie der Dranginkontinenz besitzt, jedoch ein wesentlich günstigeres systemisches Nebenwirkungsprofil als dieses aufweist. So werden eine signifikante Senkung der Inkontinenz-Episoden, der Miktionsfrequenz und eine Steigerung der Miktionsvolumen erreicht. Die vom oralen Oxybutynin bekannten unerwünschten Nebenwirkungen - wie Mundtrockenheit und Obstipation – liegen aufgrund der beson-deren pharmakologischen Eigenschaften des TDS etwa auf Plazebo-Niveau. Dadurch wird die Compliance der Substanz Oxybutynin enorm verbessert.

Nebenwirkungen an der Applikationsstelle wie lokaler Juckreiz und Hautrötungen sind im allgemeinen nur mild bis mäßig ausgeprägt. Um diese Risiken zu minimieren - so Staskin - empfiehlt es sich, das Pflaster rotierend an verschiedenen Stellen an Bauch, Hüfte und Gesäß aufzukleben und nicht innerhalb einer Woche auf dieselbe Hautstelle zu applizieren.

Das transdermale Oxybutynin-Pflaster ist dank seiner einfachen Anwendung und der signifikant verbesserten Verträglichkeit bei vergleichbarer Wirksamkeit eine patienten-freundliche Alternative zu den herkömmlichen oralen Darreichungsformen von Oxybutynin. Laut Staskin steht für die Behandlung der Dranginkontinenz damit eine gut ver-trägliche und effektive Therapiealternative zur Verfügung. Das transdermale System wird ab Frühjahr 2005 auch in Deutschland verfügbar sein.


Quelle: Journal Med vom 25.10.2005


Autor : Stefan   Thema : Andere Vereine   Newsquellen : SVI - Redaktion
Beitrag Verfasst am:18 Okt 2004 15:25

Kontinenz Gesellschaft startet Hotline


Kassel:Für Patienten mit Harn- oder Stuhlinkontinenz bietet die Deutsche Kontinenz Gesellschaft e.V. einen neuen Service an: Ab sofort können Interessierte und Betroffene die Hotline für Kontinenz anrufen und sich beraten lassen. Die Gesellschaft bietet mit dieser Hotline Unterstützung und Rat zu Harn- und Stuhlinkontinenz und vermittelt medizinische Ansprechpartner. Dieser Service soll dazu beitragen, Erkrankten den Schritt aus der Isolation zu erleichtern.

"Klopapier ist auch heute noch die häufigste Hilfe, zu der Menschen greifen, deren Kontinenz gestört ist", beklagt Professor Dr. med. Klaus-Peter Jünemann, 1. Vorsitzender der Deutschen Kontinenz Gesellschaft e.V.. Denn Blasen- oder Darmschwäche ist für viele Betroffene ein Tabuthema, über das sie mit niemanden sprechen. Häufig verhindert auch Unwissenheit über die Behandlungsmöglichkeit dieser Erkrankung den Gang zum Arzt. Hier bietet die Deutsche Kontinenz Gesellschaft Hilfe an. Die neue Hotline steht insbesondere allen Interessierten, Betroffenen und ihren Angehörigen zur Verfügung. Aber auch Ärzte und Therapeuten erhalten Informationen über innovative Therapien und spezialisierte Zentren.

Das Callcenter informiert über die verschiedenen Krankheitsbilder der Inkontinenz. Außerdem erhalten die Anrufer Auskünfte über die Kontinenz-Zentren und ärztlichen Beratungsstellen der Deutschen Kontinenz Gesellschaft in der jeweiligen Region. Darüber hinaus können sie kostengünstig weiterführende Broschüren und Materialien bestellen.

Die Hotline ist von Montag bis Freitag zwischen 15 und 20 Uhr besetzt und unter der Nummer 01805 - 2 33 44 0 (€ 0,12 / Minute) zu erreichen. Die Mitarbeiter gehen individuell auf die Fragen und Probleme des Anrufers ein, der auf Wunsch natürlich anonym bleiben kann. Den Arztbesuch ersetzt das Telefongespräch jedoch nicht. Die Berater dürfen den Patienten am Telefon keine verbindliche medizinische Auskunft erteilen.

Die Deutsche Kontinenz Gesellschaft e.V. ist eine medizinisch-wissenschaftliche Organisation. Seit ihrem Bestehen 1987 engagiert sie sich insbesondere auch in der Patientenberatung. Bislang hat sie über 350 ärztliche Beratungsstellen und 18 Kontinenz-Zentren in ganz Deutschland zertifiziert.

weitere Informationen: www.kontinenz-gesellschaft.de
Quelle: Pressestelle der Deutschen Kontinenz Gesellschaft e.V.

Autor : Foren-Admin   Thema : Versicherungen - Gesetze   Newsquellen : Ärzte Zeitung vom 14.10.2004
Beitrag Verfasst am:14 Okt 2004 13:59

IKK weist Kritik an Festbeträgen deutlich zurück


BERLIN: Mit scharfer Kritik hat der IKK-Bundesverband auf die Warnung des Bundesverbandes Medizintechnologie (BVMed) reagiert, daß durch die geplanten Festbeträge für Hilfsmittel Patienten mit Inkontinenz erhebliche Zuzahlungen drohen.

"Gegen besseres Wissen betreibt der BVMed hier Panikmache auf Kosten schwerstkranker Menschen. Eine derartige Vorgehensweise ist hochgradig unseriös und moralisch unverantwortlich", erklärte IKK-Vize Gernot Kiefer. Entgegen den Berechnungen des BVMed müßten Versicherte auch nach der Festsetzung der Festbeträge lediglich mit maximal zehn Euro Zuzahlung pro Monat für zum Verbrauch bestimmte Hilfsmittel rechnen, so Kiefer.

Falls die Verbände Einwände gegen die geplanten Festbeträge hätten, sollten sie diese im offiziellen Anhörungsverfahren formulieren. Es sei ein Gebot der Fairneß - auch gegenüber den betroffenen Versicherten - die sachlich-fachliche Auseinandersetzung zu suchen, statt mit "Nebelkerzen" auch den eigenen Blick auf die Realitäten zu verstellen, sagte der IKK-Vize.

Der BVMed hatte berechnet, daß die Hersteller von Inkontinenzartikeln nach Festlegung der Festbeträge ihre Preise um bis zu 60 Prozent senken müßten. Da das unrealistisch sei, müßten Patienten mit weiteren Zuzahlungen von 50 bis zu 200 Euro monatlich rechnen


Quelle: Ärzte Zeitung vom 14.10.2004


Anmerkung der Redaktion:
Hier sieht man wieder sehr deutlich, wie sich die IKK aus der Affäre ziehen will! Natürlich erhöhen sich die gesetzlichen Zuzahlungen nicht, hier geht es um die zusätzlichen "Aufzahlungen", die die Betroffenen dann leisten müssen, um das gleiche Produkt zu bekommen, wenn die Festbeträge sinken. Wir glauben kaum, daß die Hersteller deswegen ihre Preise senken werden und so auf ihren Gewinn zu verzichten. Die leidtragenden sind doch nur die Betroffenen selber, die die Differenz zwischen dem was von der GKV erstattet wird und dem was das Hilfsmittel beim Leistungsbringer (Apotheke, ....) kostet, dann tragen müssen. Wie schon gesagt, hier geht es um für die GKV nur um "Kleingeld", denn die Ausgaben für Hilfsmittel betragen bei den GKV im Bundesdurchschnitt nur etwa 3% vom gesamten Kostenaufkommen. Hier wird halt wieder versucht, bei denen zu sparen, die sich nicht dagegen wehren können!



Autor : Foren-Admin   Thema : Therapieformen   Newsquellen : Ärzte Zeitung vom 13.10.2004
Beitrag Verfasst am:13 Okt 2004 16:22

Inkontinenz nach Prostata-Op verschwindet meist


WIESBADEN: Bei Männern mit Harninkontinenz als Folge eines chirurgischen Eingriffs an der Prostata sollte abgewartet werden, ob sich die Beschwerden nicht spontan bessern. Zusätzlich zur Hilfsmittel-Versorgung, etwa mit neuen, speziell auf die Anatomie von Männern zugeschnittenen absorbierenden Einlagen, reichen Physiotherapie-Verfahren häufig zunächst aus.

Von einer invasiven Behandlung, zum Beispiel Schließmuskelunterfütterung durch Kollagen oder Ballons oder artifiziellem Sphinkter sei im ersten Jahr nach radikaler Prostatektomie oder transurethraler Resektion der Vorsteherdrüse abzuraten, so Professor Daniela Schultz-Lampel vom Kontinenzzentrum am Klinikum Villingen-Schwenningen.

Denn abhängig von Alter und Komorbidität dauere es im Durchschnitt nur drei Monate, bis die meisten dieser Patienten wieder kontinent seien, sagte Schultz-Lampel beim Urologie-Kongreß in Wiesbaden.

Im ersten Jahr nach der Operation sollten die Männer deshalb mit Hilfsmitteln wie Einlagen, Slips oder Urinalen versorgt werden, sagte Schultz-Lampel auf einer Veranstaltung des Unternehmens Hartmann. Das Unternehmen bietet dazu speziell für Männer die neuen Einlagen MoliMed® bei leichter und MoliForm® bei schwerer Inkontinenz an.

Außerdem seien physiotherapeutische Methoden wie Beckenbodentraining, Biofeedback oder Elektrostimulation mit Rektalsonde, allein oder kombiniert, direkt nach Entfernung des Katheters oft ebenso erfolgreich wie eine Anticholinergika-Therapie in den ersten vier Wochen.

Erst wenn die Harninkontinenz länger als ein Jahr andauere, etwa bei jedem zehnten dieser Patienten, hält Schultz-Lampel zusätzlich zur konservativen medikamentösen und Langzeit-Physiotherapie auch invasive Behandlungsmethoden für erwägenswert.


Quelle: Ärzte Zeitung vom 13.10.2004


Autor : Stefan   Thema : SVI - Veranstaltung   Newsquellen : SVI - Redaktion
Beitrag Verfasst am:13 Okt 2004 09:25

Grosses Programm für grosses Thema
Hamburger Inkontinenztage im November


HAMBURG: Der Selbsthilfeverband Inkontinenz e.V. veranstaltet am Samstag den 13.11. und Sonntag 14.11 in der Hansestadt Hamburg seinen jährlichen Inkontinenztage. Auch in diesem Jahr wird wieder darauf geachtet, dass überregionale und regionale Themen sich ergänzen. So heißt die Veranstaltung in diesem Jahr "Inkontinenztage - Gesund im Alter". An 2 Tagen werden alle Aspekte der Inkontinenz (Blasenschwäche) erläutert und auch Gesundheitstipps gegeben. Erstmal fährt ein Pendelbus zwischen Hauptbahnhof, CCH (Kongress der GIH) und dem Veranstltungsort.

Hier sind die Infos zur Veranstaltung:

Ort: Pflegezentrum Bahrenfeld, Holstenkamp 119, 22525 Hamburg
Zeit: Samstag und Sonntag 9.00 - 15.00

Service am Samstag:
Pendelbus der Verkehrsbetriebe zur Veranstaltung
in der Zeit von 8.30 bis 15.00 Uhr
Verkehrsweg: Hauptbahnhof <-> CCH <-> Pflegezentrum Bahrenfeld

Progamm für Samstag 13.11.2004

9.00 Eröffnung der Veranstaltung und Begrüßung der Teilnehmer
Referenten: Runck
10’
9.10 Was ist Selbsthilfe? - Gründung einer Selbsthilfegruppe
Referenten: Runck, Süß
40'
10.00 Beckenbodengymnastik - Gründung einer Gymnastikgruppe
Referent: Eckert
45’
11.00 Leben im Pflegeheim
Referenten: Pflegezentrum Bahrenfeld
45’
12.00 Tipps und Hinweise zur Pflegeversicherung
Referenten: Hanseatisches Pflegeteam
45’
12.45 Mittagpause
Nutzung für Ausstellung, Kaffee &Kuchen
30’
13.15 Vorstellung des Vereins Selbsthilfeverband-Inkontinenz e.V.
Referenten: Runck45’
14.15 Vorstellung der Initiative Blasenschwäche
Referenten: PR Publicis, Hartmann, SVI
45’
15.00 Ende der Veranstaltung
Info:Ab ca. 15.30 werden vom Veranstaltungsort kostenlose
Stadtrundfahrten angeboten – Anmeldung am Kaffee und
Kuchenstand


Programm für Sonntag 14.11.2004

9.00 Eröffnung der Veranstaltung und Begrüßung der Teilnehmer
Referent: Runck
10’
9.10 Leben mit Harninkontinenz
Referent: Süß
40’
10.00 Leben mit Stuhlinkontinenz
Referent: Schreiber
45’
11.00 Leben mit Diabetes und seinen Folgen
Referent: Kleinknecht
45’
12.00 Diabetes mellitus
Referenten : Pflegedienst Trephan
45’
12.45 Mittagpause
Nutzung für Ausstellung, Kaffee &Kuchen
30’
13.15 Sondennahrung und Anwendungsmöglichkeiten
Referent: Korn
45’
14.15 Palletivstation
Referent: Asklepios Kliniken
45’
15.00 Ende der Veranstaltung

Sollten noch Fragen bestehen, dann nutzt unsere Diskussion im Inko - Forum oder ruf bei uns an:

SVI - Servicetelefon Hamburg: Tel.: 040/7456822



Autor : Foren-Admin   Thema : Versicherungen - Gesetze   Newsquellen : Bundesverband Medizintechnologie vom 06.10.2004
Beitrag Verfasst am:06 Okt 2004 16:04

Festbetragsentwurf für Inkontinenzprodukte


BERLIN: Durch die geplanten dramatischen Einschnitte der Krankenkassen bei den Festbeträgen für Inkontinenzhilfen befürchtet der Bundesverband Medizintechnologie, BVMed, dass das notwendige Versorgungsniveau von rund 5 Millionen Inkontinenzpatienten nicht mehr gehalten werden kann.

Hintergrund ist, dass die Spitzenverbände der Krankenkassen am 1. Oktober 2004 die Anhörung zur Bestimmung der Festbeträge für Inkontinenzhilfen eröffnet haben. Die Krankenkassen beabsichtigen, für dieses Produktsegment die Erstattungspreise drastisch und auf eine nicht nachvollziehbare Weise zu reduzieren. In Einzelfällen ist eine Absenkung der Vergütung um bis zu 60 % geplant. Zusätzlich erfolgt eine Zusammenführung von Einzelprodukten in so genannte einheitliche Preiskategorien, die jeglicher Versorgungspraxis widerspricht. Das zeigt eine erste Bewertung des Entwurfs durch den BVMed.

Für 5 Millionen Inkontinente, also beispielsweise chronisch kranke Menschen, Rollstuhlfahrer, Kinder mit einer offenen Wirbelsäule (Spina Bifida), bedeuten sinkende Festbeträge - bei gleichzeitiger Zusammenführung höchst heterogener Produkte - signifikante Einschnitte in die tägliche Versorgung sowie in die gesamte Versorgungsqualität. Wird der vorliegende Entwurf unverändert umgesetzt, müssen z. B. Rollstuhlfahrer, die mit Produkten, die dem aktuellen medizinischen Standard entsprechen, selbst eine Urin-Katheterisierung vornehmen und zukünftig eine private Aufzahlung von über 200 Euro monatlich leisten, so eine Berechnung von Unternehmensexperten.

Die beabsichtigte Preissenkung für Inkontinenzhilfen durch Festbeträge ist zudem im mehrfachen Sinne widersprüchlich. Seit 1993 wurden für Produkte der ableitenden Inkontinenz von den Krankenkassen keine Festbeträge festgesetzt mit dem Argument, dieses Produktsegment sei zu heterogen. Nun erfolgt eine künstliche und erzwungene Gruppeneinteilung höchst unterschiedlicher Produkte in gemeinsame Untergruppen. Dies widerspricht auch vorliegenden Stellungnahmen der zuständigen medizinischen Fachgesellschaften.

Gleichzeitig soll das Erstattungsniveau drastisch reduziert werden, mit dem teilweise nicht einmal mehr die reinen Produktkosten abgedeckt sind. Insbesondere bei der Versorgung multimorbider Menschen, Krebskranker und Kinder ist jedoch eine intensive Beratungs- und Betreuungsleistung von Homecare-Unternehmen notwendig. Diese würde nun gänzlich eliminiert, wenn der Entwurf umgesetzt werde, so der BVMed.

Der BVMed fordert daher eine vollständige Überarbeitung des Entwurfs der Krankenkassen und bietet seine Mithilfe für die Erarbeitung von praxisgerechten Festbeträgen und Festbetragsgruppen an.


Quelle: Pressemitteilung Bundesverband Medizintechnologie vom 06.10.2004


Anmerkung der Redaktion:
Langsam kommt doch der Eindruck auf, die Krankenkassen können mit ihren Einnahmen nicht wirtschaftlich umgehen! Da wird über die Kosten für die Hilfsmittel (alle Bereiche) gestritten, obwohl die Kosten dafür gerade mal 3 % der Ausgaben bei den gesetzlichen Krankenkassen ausmachen und so könnte man das noch weiter Fortführen. Für saugende Inkontinenhilfsmittel sind die aktuellen Festbeträge sowieso schon so niedrig, daß die Patienten schon heute teilweise hohe Aufzahlungen leisten müssen, um vernünftige Produkte zu bekommen. Es trifft wie immer nur diejenigen, die sowieso schon durch ihre Erkrankung höhere Ausgaben haben und unsere gesunden Mitbürger sind wieder fein raus. Wenn das so weitergeht, dann wird eine chronische Erkrankung zu einem Luxus, den sich bald keiner mehr leisten kann ......

Autor : Stefan   Thema : SVI & Partner   Newsquellen : SVI - Redaktion
Beitrag Verfasst am:06 Okt 2004 10:54

Initiative Blasenschwäche gegründet
Raus aus der Tabuecke


KÖLN: Ab sofort gibt es neue Hilfe für Menschen mit Blasenschwäche (med. Inkontinenz): Die „Initiative Blasenschwäche“, ein Gemeinschaftsprojekt des Selbsthilfeverband Inkontinenz e.V. und der Paul Hartmann AG. Ihr Ziel ist, das oft verschwiegene Leiden aus der Tabuecke zu befreien. Über fünf Millionen Deutsche leiden an Blasenschwäche, doch die Dunkelziffer liegt weit höher. „Viele wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen. Sie ziehen sich zurück und verschlimmern so ihre Situation,“ erklärt Professor Hademar Bankhofer, der Schirmherr der Initiative.

Professor Bankhofer appelliert an die Öffentlichkeit, zwangloser mit dem Thema umzugehen und offen darüber zu sprechen. Betroffene sollten sich mit ihrer Erkrankung auseinandersetzen, denn Unwissenheit und Verdrängung verstärken ihre Unsicherheit. „Das verhindert, dass sie aktiv werden. Sie lassen dann viele Therapien und Hilfen ungenutzt, die ihnen trotz Blasenschwäche einen normaler Tagesablauf ermöglichen können.“

Hilfe für den Alltag
Blasenschwäche sollte nicht einfach ertragen werden. Für jeden existieren Behandlungs- und Hilfsmöglichkeiten. Darüber klärt die Initiative Blasenschwäche auf. Als zentrale Plattform dient die Homepage www.initiative-blasenschwaeche.de, die Orientierungshilfen bietet und mögliche Ursachen beschreibt. Alle Formen der Blasenschwäche sind hier ausführlich erklärt, ebenso die verschiedenen Therapien und Hilfsmittel. Darüberhinaus bietet die Seite zahlreiche Tipps für den Umgang mit der Krankheit im Alltag.

Hilfesuchende erreichen die Initiative auch über eine telefoni-sche Hotline und können kostenlos schriftliche Informationen zum Thema anfordern. Zwar ersetzt die Initiative nicht die ärztliche Diagnose. Gut informiert, fällt es jedoch leichter, diesen ers-ten Schritt zu unternehmen. „Reden Sie mit Ihrem Arzt,“ fordert auch Bankhofer, „ und holen Sie sich kompetente Hilfe“. Auch die Selbsthilfevereinigungen sind ein wichtiger Ansprechpartner.

Kontakt:
Initiative Blasenschwäche
Postfach 130 120
50495 Köln
Tel.: 01805 / 38 03 81 (0,12 €/Min),
Mo-Fr 9.00-18.00 Uhr

www.initiative-blasenschwaeche.de

Autor : Foren-Admin   Thema : Therapieformen   Newsquellen : Ärztliche Praxis vom 30.09.2004
Beitrag Verfasst am:30 Sep 2004 14:19

Auch die Psyche leidet


HEIDELBERG: Psychosoziale Probleme können Folge, aber auch auslösender Faktor einer Harninkontinenz sein. Dies sollte bei einer sensiblen ärztlichen Betreuung berücksichtigt werden.

Eine Harninkontinenz belastet bei Erwachsenen – wie bei Kindern und Jugendlichen - Lebensqualität und subjektive Befindlichkeit, das Selbstwertgefühl leidet, Partnerschaft und Sexualität werden beeinträchtigt. Sie meiden soziale Kontakte, sportliche Aktivitäten oder gesellschaftliche Ereignisse. Dennoch: Bevor Betroffene ärztliche Hilfe suchen, vergehen oft Monate bis Jahre. Aus Scham bagatellisieren und verbergen sie ihre Probleme so lange wie möglich. Mehr noch als um ihre Gesundheit fürchten viele Inkontinente, entdeckt zu werden, berichtet Dipl-Psych. Stefan Zettl vom Nierenzentrum Heidelberg.

Soziale Isolation bis hin zu Ängsten und depressiven Verstimmungen können daher Begleitsymptome einer Inkontinenz sein. Psychogene Faktoren werden andererseits auch als auslösendes oder verstärkendes Element einer Inkontinenz diskutiert. So kann eine Inkontinenz als Begleit- oder Folgeerscheinung von Wahrnehmungsstörungen, Stress oder belastenden Ereignissen auftreten. Manchmal kann eine Inkontinenz auch als Ausdruck einer Suche nach Zuwendung oder auch als Provokation oder Rebellion verstanden werden, so Zettl.

Der Urologe sollte daher sensibel mögliche Inkontinenz-Probleme seines Patienten eruieren, ohne dessen Schamgefühle zu verletzen. Gleichzeitig sollten psychosoziale Aspekte in die Betreuung miteinbezogen werden.


NACHGEFRAGT ...

..bei Prof. Dr. Alexander von Gontard, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Universitätsklinikum Homburg/Saar

Wenn Kinder nicht „trocken“ werden

Wie bewältigen Kinder und Jugendliche das Problem „Einnässen“?
Das kindliche Einnässen – sei es in Form einer Enuresis nocturna oder einer funktionellen Harninkontinenz – bedeutet einen oft enormen Leidensdruck für die ganze Familie. Wie Untersuchungen zeigen, ist bei betroffenen Kindern das Selbstwertgefühl eingeschränkt, Schuld- und Schamgefühle entwickeln sich. Soziale Kontakte, Besuche bei Freunden oder Klassenfahrten werden zum Problem. Schamgefühle und Leidensdruck verstärken sich noch, je älter das Kind wird – immerhin nässen noch 1 bis 2 Prozent der Jugendlichen nachts und 0,5 Prozent tagsüber ein. Viele dieser Jugendlichen scheuen sich, medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen oder haben resigniert. Doch wenn das Einnässen erfolgreich behandelt wird, bilden sich auch krankheitsbedingte psychische Begleitsymptome wie Schuldgefühle und Selbstwertprobleme häufig zurück.

Darüber hinaus weisen jedoch Kinder oder Jugendliche, die einnässen, auch gehäuft manifeste psychische Erkrankungen auf.

Welche psychischen Krankheitsbilder werden beobachtet?
In Studien zeigte sich bei 20 bis 40 Prozent eine Komorbidität von Einnässen und klinisch relevanten psychischen Störungen. Das ist 2- bis 4 Mal so häufig wie bei Kindern ohne Inkontinenz. Kinder mit einer primären monosymptomatischen Enuresis nocturna oder einer idiopathischen Dranginkontinenz sind seltener betroffen als Kinder mit einer sekundären Enuresis nocturna oder einer Harninkontinenz aufgrund Miktionsaufschub.

Bei den nächtlichen Einnässern ist erstaunlicherweise die häufigste psychische Störung das Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS). Kinder mit sekundärer Enuresis nocturna entwickeln gelegentlich auch depressive Störungen. Bei Kindern mit Miktionsaufschub am Tage findet man vor allem ein auffälliges Sozialverhalten, beispielsweise oppositionelle Regelverstöße.

Sind psychische Faktoren Folge oder Ursache des Einnässens?
Dies kann im Einzelfall sehr unterschiedlich sein. Eine belastende Lebenssituation wie beispielsweise die Trennung der Eltern kann eine sekundäre Enuresis nocturna auslösen. Andererseits geht man davon aus, dass beispielsweise dem ADHS und dem nächtlichem Einnässen eine gemeinsame neurobiologische Ätiologie zugrunde liegt. Bei so häufigen Störungen kann manchmal auch nur eine zufällige Koexistenz bestehen.

Was raten Sie dem behandelnden Urologen?
Der Urologe sollte auch an eine mögliche psychische Komorbidität denken und Verhaltensauffälligkeiten durch entsprechende Screening-Fragebögen abklären. Gegebenenfalls sollte er dann eine weitergehende kinderpsychiatrische oder -psychologische Behandlung initiieren.

Außerdem sollte sich der Arzt intensiv um betroffene Familien kümmern. Es hat sich gezeigt, dass ein „good doctoring“ das Selbstwertgefühl steigern kann, selbst wenn die Behandlung nicht sofort greift.


Quelle: Ärztliche Praxis vom 30.09.2004


Autor : Foren-Admin   Thema : Therapieformen   Newsquellen : Ärztliche Praxis vom 28.09.2004
Beitrag Verfasst am:28 Sep 2004 14:17

Querschnittgelähmte: Nieren schützen


INNSBRUCK, ÖSTERREICH: Intermittierender Katheterismus und Anticholinergika bessern bei den meisten Patienten mit Rückenmarkschäden die Kontinenzsituation. Prof. Dr. Helmut Madersbacher, Innsbruck, erläutert das therapeutische Vorgehen.

Rückenmarkverletzungen verursachen fast immer Funktionsstörungen der Blase und des Blasenschließmuskels. Ziel ist zum einen, die Nierenfunktion zu erhalten, die eine wesentliche Rolle für die Lebenserwartung des Patienten spielt. Zum anderen ist das Management der Inkontinenz oder die Wiederherstellung der Kontinenz ein entscheidender Parameter für die Lebensqualität.

Befindet sich die Läsion oberhalb des Sakralmarks, entwickelt sich eine Hyperaktivität von Detrusor und Sphinkter. Schädigung des Sakralmarks bzw. der Caudafasern haben bei kompletter Läsion die Akontraktilität von Detrusor und Sphinkter zur Folge. Vor allem bei Conusnahen Läsionen können Detrusor und Sphinkter unterschiedliche Schädigungsmuster aufweisen.

Ist die Compliance erniedrigt, drohen Schädigungen des Harntraktes

Zu 99 Prozent des Tages befindet sich die Blase in der Speicherphase und lediglich zu einem Prozent in der Entleerungsphase. Unphysiologische Drucke in der Speicherphase über Stunden führen sehr viel leichter zu Druckschäden am unteren und oberen Harntrakt als eine nur Sekunden bis Minuten dauernde unphysiologische Drucksteigerung während der Blasenentleerung. Deshalb gilt unser Augenmerk heute der Speicherfunktion und den Drucken in der Speicherphase.

Normalerweise passt sich die Blase drucklos der zunehmenden Füllung an. Diese Eigenschaft kann insbesondere bei Hyperaktivität verloren gehen. Maß dafür, wie sich die Blase an die Füllung anpassen kann, ist die Compliance. Kommt es in der Speicherphase zu einer kontinuierlichen Drucksteigerung, ist die Compliance erniedrigt, so drohen Schädigungen des Harntraktes.

Für die neurogene Harninkontinenz gilt grundsätzlich, dass die regelmäßige und möglichst vollständige Blasenentleerung, eine kontrollierte Flüssigkeitszufuhr, sowie die Vermeidung von Harnwegsinfektionen zumindest das Ausmaß der Harninkontinenz wesentlich reduzieren können. Das Vorgehen richtet sich nach dem jeweiligen neurogenen Blasentyp.


Quelle: Ärztliche Praxis vom 28.09.2004


Autor : Foren-Admin   Thema : Therapieformen   Newsquellen : Urologische Nachrichten vom 22.09.2004
Beitrag Verfasst am:22 Sep 2004 14:11

Ätiologie entscheidet über die Therapie der Inkontinenz im Kindesalter



VILLINGEN-SCHWENNINGEN: In Deutschland ist das Einnässen bei Kindern epidemiologisch die zweithäufigste Erkrankung. Hinter dieser Symptomatik kann sich eine Enuresis, aber auch eine echte Harninkontinenz verbergen.

Wegen der unterschiedlichen Ätiologie, Pathophysiologie und daraus resultierenden therapeutischen Konsequenzen wird heute streng zwischen der reinen Enuresis und der kindlichen Harninkontinenz unterschieden. Mit der Basisdiagnostik gelingt meist schon die Unterscheidung, um ein therapeutisches Konzept vorzuschlagen.

Blasenentleerungsstörungen sind oft mit einer Harninkontinenz vergesellschaftet. Hier ist zur Differenzierung der Störung eine weiterführende Diagnostik notwendig. Bei kombinierten Blasenspeicher -und Blasenentleerungsstörungen können spezielle diagnostische Verfahren nützlich sein.

Der erste therapeutische Schritt ist ein ausführliches beratendes Gespräch. Verhaltenstherapeutische Maßnahmen, stellen bei der reinen Enuresis nocturna ohne Tagsymptomatik den ersten Therapieversuch dar. Allein die Änderung der Trinkgewohnheiten mit Verlagerung der Haupttrinkmenge in die erste Tageshälfte führt bei 50 bis 98 Prozent der Kinder zum Erfolg. Die apparative Konditionierungsbehandlung mit Alarmsystemen beziehungsweise Weckapparaten ist nach acht- bis zehnwöchiger Therapie die erfolgreichste Enuresistherapie.

Ist die Anwendung der Alarmsysteme nicht möglich oder nicht erwünscht oder konnte eine hohe nächtliche Urinausscheidung nachgewiesen werden, kann die Gabe von Desmopressinacetat (DDAVP) vor dem Einschlafen versucht werden. Die besten Erfolge werden bei Kindern ab neun Jahren erzielt, die eine relativ große Blasenkapazität und seltene enuretische Episoden haben und eine nächtliche Polyurie aufweisen. Bei Fällen mit kleiner nächtlicher Blasenkapazität und/oder Detrusorhyperaktivität kann eine Kombinationstherapie von Oxybutynin und Desmopressin die Blasenkapazität steigern.

Ein langsames Ausschleichen der Medikation ermöglicht es, den Therapieerfolg länger aufrecht zu erhalten. Wegen des raschen Wirkungseintritts sind DDAVP-Derivate Mittel der Wahl für die Überbrückung bestimmter „kritischer" Situationen, in denen das Kind trocken sein soll (Klassenfahrten). Bei extremer Überdosierung oder sehr hohen abendlichen Trinkmengen kann es zur Wasserintoxikation kommen. Der Einsatz des trizyklischen Antidepressivums Imipramin bei einnässenden Kindern ist aufgrund zentralnervöser und kardialer Nebenwirkungen bei Kindern unter sieben Jahren nicht zu empfehlen. Eine Indikation zu Imipramin als Mittel der zweiten oder dritten Wahl besteht heute nur noch dann, wenn eine Verhaltens- und DDAVP-Therapie versagt haben und alleiniges Abwarten der Spontanremission von Kind und Eltern nicht akzeptiert wird.

Bei Vorliegen einer kleinen Blasenkapazität oder einer kindlichen Dranginkontinenz kommen Anticholinergika zum Einsatz. Auf jeden Fall sollte eine Gabe abends vor dem zu Bett gehen erfolgen. Unterstützend sollte ein Blasentraining eingesetzt werden. Tritt die Drangsymptomatik mit rezidivierenden Harnwegsinfekten auf, sollte eine antibiotische Langzeittherapie (zum Beispiel mit Nitrofurantoin, Trimethoprim oder einem Oralcephalosporin) eingeleitet werden. Eine zusätzlicher Gabe von Anticholinergika kann ebenfalls zur Heilung beitragen. Liegen als Ursache des Einnässens Blasenentleerungsstörungen vor, so kann bei anatomischer Ursache eine Harnröhrenerweiterung notwendig werden. Häufiger jedoch sind funktionelle Blasenentleerungsstörungen, die mit verhaltenstherapeutischen Methoden angegangen werden. Kinder, bei denen ein falsches Miktionsverhalten mit Kneifen des Bekkenbodens nachgewiesen ist, werden dazu angehalten, möglichst frühzeitig und ohne Hast in einer entspannten Haltung die Blase zu entleeren. Die Behandlung der kindlichen Harninkontinenz hat immer dann gute Aussichten auf Erfolg, wenn eine anatomische oder funktionelle Störung als Ursache identifiziert wird, die gezielt behandelt werden kann. Wegen der multifaktoriellen Genese sind oft Kombinationstherapien notwendig.

Prof. Daniela Schultz-Lampel
Kontinenzzentrum Südwest
Klinikum der Stadt Villingen-Schwenningen
Röntgenstr. 20
78054 Villingen-Schwenningen
e-mail:

Forum 11: Praxisforum Kinderurologie, Enuresis und kein Ende
23.09.2004, 13.30, Saal 11a (OG)


Quelle: Urologische Nachrichten vom 22.09.2004

 
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